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Der Irlandkick

Die Schwaben halt. Gleich 40 000 von ihnen. So viele, meldet die gleichgeschaltete deutschnationale Presse, fanden sich am Samstagabend auf dem Stuttgarter Schloßplatz ein. Public Viewing also, die Massenaufmärsche von als schwarz-rot-goldene Weihnachtsbäume verkleideten Menschen gehen auch nach der WM weiter.

Im Cannstatter Stadion saßen weitere 53 000. Die Bilder, die man von deutschen Fans auf den Rängen sah, knüpften nahtlos an die WM an: Ein breiter Querschnitt durch den besser situierten Teil der Bevölkerung, denn die Kategorie des Fußball-Fans hat - zumindest im Nationalmannschaftsmaßstab - alles Anrüchige, das ihr jahrzehntelang anhaftete, verloren: Ihre Brutalität und Gewaltförmigkeit, ihre Ernsthaftigkeit und unbedingte Parteilichkeit, das Blut und den Dreck - kurz: all das Proletarische.

Auf den Tribünen ist stattdessen die Zivilgesellschaft eingezogen. Bunt, fröhlich, quasi “national light” gesinnt und konsumbereit bis in die schwarz-rot-gold bepinselten Nasenspitzen.
Wie ein Relikt aus vergangenen Tagen wirkten dagegen die 10 000 irischen Fans, die Tickets ergattert hatten. Hier war der Männeranteil ungleich höher und die Gesichter durch die Bank stärker vom Alkohol gerötet. Obwohl zahlenmäßig weit unterlegen wurden die deutschen Eventbesucher mühelos an die Wand gesungen.

Mit ihrem im Umbruch befindlichen Team konnten die Iren ohnehin ganz zufrieden sein. Robbie Keane hatte gleich nach Beginn die Führung aus dem Kopf, verzog aber knapp. Ein mäßiges Spiel nahm seinen Lauf, die DFB-Auswahl erarbeitete sich Vorteile, auch wenn lediglich Bernd Schneider, Phillip Lahm und der Mainzer Verteidiger Manuel Friedrich Überdurchschnittliches zeigten, scheiterte aber immer wieder am irischen Keeper Shay Given. Einen Freistoß des wie übrigens auch Torsten Frings auf mich übergewichtig wirkenden Lukas Podolski fälschte Keane schließlich zum Tor des Tages ab.

Michael Ballack, der blaß geblieben war, brauchte einige Augenblicke, um sich angesichts des ersten Mikrofons, das ihm nach Abpfiff unter die Nase gehalten wurde, begrifflich zu orientieren. Die alte Rede vom Schönheitspreis, den es heute mal wieder nicht zu gewinnen gab, hatte er sich zurecht gelegt. “So langsam müssen wir von der WM-Wolke runterkommen“, leitete der Neu-Chelski sein obligatorisches Statement zur Lage der kickenden Nation ein.

Eigentlich nach diesem Spiel eine plausible Kommunikationsstrategie. Doch ARD-Mann Jürgen Bergener, einst ein vielversprechendes Sportreporter-Talent, bevor er dann doch auf den Boulevard einschwenkte, jubelperserte unbeeindruckt mit schwarz-rot-goldener Post-WM-Besoffenheit auf den armen Ballack ein. Ganz Medienprofi ließ der sich trotz seiner offensichtlichen Irritation schließlich auf das der fußballerischen Realität komplett entrückte Abfragen gefühliger Phrasen ein.

„Manchmal gibt auch eine schwere Geburt ein schönes Kind“, beschied auch Bundestrainer Joachim Löw das zuvor Gesehene mit selbstkritischen Unterton. Eine zugegebenermaßen hübsche Formulierung, doch den Subtext wollte eigentlich keiner hören. Angesichts der totalen Monica-Lierhausisierung des Redens über die Nationalkicker tat es hinterher richtig gut, einen ausgewiesen bösen Menschen wie den scheidenden DFB-Vorsitzenden Gerhard Mayer-Vorfelder in barschem Ton über einen schnöden „Arbeitssieg“ richten zu hören. Prompt wurde er vom ARD-Bildregisseur vom Sender genommen.

Solche Stimmen, Sprechweisen und Urteile haben auf den zivilgesellschaftlichen Rängen und in der zunehmend vom Eventmarketing beherrschten medialen Oberfläche leider kaum noch Raum. Wie Ballack mag auch der ähnlich irritierte MV längst ahnen: Wenn das inkompetente und nur noch eventgeile Gesocks von den Stadien Besitz ergriffen hat, verliert das Fußballspiel seine Ernsthaftigkeit und verkommt zur austauschbaren Simulation.
3.9.06 17:35


Kick it like the San Marinesen

Ob Oliver Bierhoff wohl nachmittags in alertem Marktschreier-Idiom Heizdecken an die Männer gebracht hat? Oder hieß der Drahtzieher dieser ominösen Bustour etwa Hans-Dieter Flick? Ging es vielleicht um drittklassige Messersets? In jedem Fall muß es sehr spezielle Gründe gegeben haben, daß der DFB seine komplette Nationalmannschaft für einige Tage gen San Marino abkommandierte. Das lockere Spielchen, das Joachim Löw für den Abend angesetzt hatte, kann es kaum gewesen sein. Es wurde mit 13:0 gewonnen. Höchster DFB-Auswärtssieg aller Zeiten.

Angeführt vom abermals überragenden Bernd Schneider lieferten die DFB-Kicker in ihrem zweiten EM-Qualifikationsspiel bestenfalls ein hübsches Bewerbungsvideo für künftige Beach-Soccer-Events ab. Vom derzeit vor Spielfreude nur so sprühenden Schneider ist ohnehin hinlänglich bekannt, daß er auch die leidige Sommerpause am liebsten damit verbringt, wahlweise englische Touristen am Strand schwindelig zu spielen oder sich aber beim Training seines Heimatvereins Carl Zeiss Jena einzufinden, um mal anzufragen, ob er denn mitspielen dürfe.

Die Ansammlung von Studenten, Buchhaltern und Inhabern von Sonnenstudios auf der Gegenseite war für Spieler seines Kalibers alles, aber kein ernstzunehmender Gegner. Die Topstars Michael Ballack und Miroslav Klose durften bereits zur Halbzeit (es stand 6:0) in der Kabine bleiben, mit dem beim VfB Stuttgart gerade ausgemusterten Thomas Hitzlsperger kam an ihrer Stelle der aktuelle Problemfall unter den Nationalspielern zu einer therapeutischen 45-Minuten-Sitzung und erzielte dabei zwei blitzsaubere Tore.

Nur für einen war der abendliche Kick nach gemütlicher Kaffeefahrt noch besser zugeschnitten. Lukas Podolski traf im Zwergenstaat gleich viermal. Zur Erinnerung: Seine ersten Meriten als Jung-Nationalspieler sammelte Podolski im Dezember 2004 mit zwei Toren beim 5:1 über durchschnittlich 1,60 Meter große Thailänder, der Durchbruch gelang ihm ein Jahr später mit drei Treffern beim 4:2 über das Weltklasseensemble der Chinesen. Das vom Boulevard angestimmte polyphone Gerede ob der Krise des exilierten Karnevalsprinzen ist nun postwendend verstummt.

Für den 21jährigen Neu-Münchner mit dem übersichtlichsten Wortschatz aller Fußballprofis war die Welt am Mittwoch abend dann auch ziemlich in Ordnung: "Wir wollten Tore machen. Ich bin immer besser drauf", plapperte er honigkuchenpferdchenhaft in die Mikros. Derart aufgepäppelt trat Podolski guten Mutes den Heimweg gen München an, wo ihn wieder der finstere Felix mit seinen Medizinbällen erwartet. Sollten sich die mühelos herausgeschossenen vier Buden gegen die "San Marinesen" (so Jens Lehmann weltgewandt) gar als Beginn einer neuen Strähne entpuppen, winkt am Wochenende gar erstmals der Einlaß in die für die FC-Bayern-internen Initiationsriten so bedeutsame Schickidisko P1.
7.9.06 12:01


Pokalwatch

Seht Ihr San Marinesen, so wird das gemacht! Die Kleinen, laut Rudi Völler angeblich längst Geschichte, sie sind doch noch da. Namentlich in Gestalt des FK Pirmasens und der Stuttgarter Kickers. Zwei Traditionsvereine aus dem Südwesten der Republik, die zuletzt jahrelang im Amateurnirvana versackten. Bis zum Sonnabend. Denn da stieg der, der bekanntlich eigene Gesetze hat. Im pfälzischen Pirmasens und im Stuttgarter Stadtteil Degerloch Anlaß genug, um sich gehörig in die Davidspose zu werfen. Werder Bremen und der Hamburger SV hießen die beiden Goliathe, die man aus dem Wettbewerb kegelte. Chelsea und Arsenal sind übrigens deren nächste Gegner. Champions League also ante portas: Na dann, viel Spaß!

Miroslav Klose hatte in Pirmasens zwar reihenweise beste Torchancen, doch der WM-Torschützenkönig hätte an diesem Tag wohl nicht einmal das sprichwörtliche Scheunentor getroffen. Werder verlor im Elfmeterschießen und Trainer Thomas Schaaf weigerte sich nach dem Aus hartnäckig, das “HB-Männchen zu geben”. Thomas Doll kam der eifrigen Mediennachfrage nach harscher Schelte dagegen gerne nach: “Arrogant” seien seine Spieler, schimpfte der HSV-Coach, dessen strahlendes Wirken der Vorsaison gerade wie eine Seifenblase platzt. Ob Doll die dafür nötige Kommunikationskompetenz mitbringt, scheint zweifelhaft. Er wirkt völlig auf die Rolle des zwanghaften Schönredners und Optimismusverbreiters festgelegt. Dass ihm das inzwischen wild zusammengewürfelte Team den bösen Zuchtmeisters abnimmt, ist kaum vorstellbar. Die 3:4-Niederlage bei den Stuttgarter Kickers - immerhin aktueller Tabellenführer der Regionalliga Süd - krönte nur den konzeptionslosen Saisonauftakt der Hamburger. Eine funktionierende Mannschaft wurde ohne Not zerschlagen, dem HSV-Boom des Vorjahres lag wohl doch keine auf Lang- oder zumindest Mittelfristigkeit angelegte Struktur zugrunde. Einen noch viel schlechteren Job als Doll liefert dabei Manager Dietmar Beiersdorfer ab.

Dessen Amtskollege in München trat schon unter der Woche mit dem Nachkauf des Niederländers Mark van Bommel von der Barca-Ersatzbank die Notbremse. Van Bommel repräsentiert all das, was Uli Hoeneß und dem FC Bayern zuletzt fehlte: Rücksichtslosigkeit, Brutalität, Ignoranz und Arroganz - kurz: eine Drecksau, wie man sie seit Stefan Effenberg an der Säbener Straße vermisst. Beim äußerst glücklichen 2:1 auf St.Pauli spielte der neue Chefschlägertyp sofort durch und fand sich stets als erster bei aufkeimenden Rudelbildungen ein. Lucio flog zwar vom Platz, doch zur tragischen Figur wurde Pauli-Torwart Patrick Borger, der sich in der Verlängerung eine harmlose Flanke von Philipp Lahm ins eigene Tor boxte.

Derweil stolperte sich der Rest der Bundesligisten bis auf Energie Cottbus, das mit 0:1 bei RW Essen die Segel strich, mit Arbeitssiegen durch die 1. Runde. Sogar ein notorischer Pokalversager wie Borussia Dortmund (3:0 bei der TSG Thannhausen) überstand das Ganze. Ein Hauch von San Marino wehte nur im Rostocker Ostseestadion, wo die Hansa-Reserve den Schalkern 9 Tore genehmigte.
10.9.06 11:49


3:1 gegen Leverkusen - So illegitim ist unsere UEFA-Cup-Teilnahme gar nicht

Huhu, das Blog lebt noch. PC-Probs mal wieder, die zur unfreiwilligen Pause führten..

Heute gewann der Verein, der dann letztlich meiner ist, für mich völlig überraschend 3:1. Gegen Leverkusen, schon das ist kein Pappenstiel. Da es sich dabei um den (neben Wolfsburg, letztens immerhin nicht verloren) absoluten Angstgegner handelte, ist das doppelt bemerkenswert.

Wo soll die Eintracht-Saison denn noch enden? Nur vier Spieler aus der ersten Elf sind derzeit einsatzfähig, trotzdem ist man noch ungeschlagen! Aktuell Platz 7 in der Liga und die UEFA-Cup-Zwischenrunde so gut wie erreicht. Mit Chris und Jones die eigentlich zwei besten Spieler dauerverletzt, mit Amanatidis und Kyrgiakos die beiden Griechen von Euro-Format nicht dabei, zudem fehlten die (hoch- oder doch nur bundesligadurchschnittlich-, da bin ich mir bis heute nicht sicher) begabte Mittelfeldschlampe Alex Meier, der supersolide Linksverteidiger Christoph Spycher und mit Vasoski der Fels in der Defensive schlechthin. Pröll, Thurk, Streit und der leider immer noch schwächelnde Ochs - mehr Stammspieler sind momentan gar nicht dabei.

Der größte Dank gebührt derzeit dem Schweizer Internationalen Benjamin Huggel. Wenn einer dem vollkommen zerfaserten Team Struktur gibt und derzeit die Rolle des Herzens der Mannschaft einnimmt, dann ist er es. Huggel kann zwar einigermaßen kicken, ist aber kein wirklich guter Fußballer - seine Arbeit in der Balleroberung und beim Stören ist aber derzeit absolut erstklassig und hält dieses Team am Leben.

Für die fußballerische Komponente ist momentan fast ausschließlich Albert Streit zuständig - auch seinen derzeitigen Job kann man gar nicht hoch genug bewerten. Wenn es einmal einen genau adäquaten Nachfolger für Bernd Schneider im Nationalteam geben kann, dann ist es Streit. Wenn man das Moderisierungsargument (mehr Individualität, mehr Show- und Ego-Style in der nachfolgenden Generation) berücksichtigt, gibt es keinen besseren. Klar hat Streit auch seine Ballverluste, klar wird ein Techniker wie er nach Fehlern von Tumbo-Fans und -Kritikern gehasst - aber sowas hat in Frankfurt doch Tradition. So hybride Skills wie "Spiel schnell machen", das fast vergessene Stilelement des Dribblings sowie schließlich das eh und je riskante Passpiel in die Spitze - Streit, schon im Vorjahr, m.E. mehr als Lukas Podolski, der Spieler, der den 1. FC Köln am Leben hielt, kann und macht genau das. Eine gewisse Fehlerquote natürlich inbegriffen. Aber das, da bin ich ganz sicher, wird noch besser.

Für die Emotion schließlich ist Michael Thurk zuständig. Dass er und Streit sich den Jubelbildern zufolge ganz gut zu verstehen scheinen, ist für die Eintracht sicher ein Glücksfall. Thurk ist genau der Spielertyp, der der Eintracht fehlte. Baut trotz allen anfänglichen Aversionen ganz schnell Stallgeruch auf, weil ein Frankfurter und ein Bub wie du und ich, zum andern ist er ein klein bißchen Drecksau und ein Zocker, der phasenweise Tore einfach garantiert - als der eigentlich für die Eintracht wie kein zweiter Spieler unersetzbare Amanatidis von Bröndby übel zusammengetreten wurde, befürchtete ich das Schlimmste für die Mannschaft, doch als Thurk dann später drei Tore nachlegte, wusste ich, das auch Amas Verletzung aufzufangen sein wird.

Meine Prognose vom Bundesligastart, dass Nürnberg und Frankfurt positiv überraschen könnten, sehe ich nach vier Speiltagen jedenfalls bestätigt. Gladbach war mein dritter Kandidat, aber die weigern sich ja nach wie vor, den Trainer zu wechseln.
18.9.06 01:51


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