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The State of the Liga - 05.11.06

Irgendwie langweilts dieses Jahr. Das große Addicted-Sein, es will sich einfach nicht einstellen. Von eventuellen Kicks gar nicht zu reden. Bei den Samstagsspielen gewann man jetzt zudem den Eindruck, dass sich allmählich winterliches Abnutzungsgekicke einstellt: Elf Mann im Schlamm des Schützengrabens - wer das 1:0 macht, gewinnt das Spiel. Genau genommen ging das ja am letzten Wochenende schon los.

Was soll man zu dem gebotenen Mittelmaß schon sagen? Bin da momentan ratlos. Zudem wirkt die Liga (bis auf Leverkusen) ziemlich berechenbar. Diskontinuitäten und Trendbrüche kann ich gerade überhaupt keine erkennen: Werder vorneweg (trotz des Punktverlusts heute) und fußballerisch dem Rest eine Klasse überlegen, Bayern und Schalke humpeln nur hinterher, dabei stets von der großen Eruption bedroht, der HSV erwartungsgemäß abgeschmiert und dort unten wohl auch erst einmal fest einbetoniert. Energie auf klarem Klassenerhaltskurs, auch wenn der Einbruch sicher noch kommt, Aachen wird allmählich durchgereicht, Frankfurt und Nürnberg zwar derzeit etwas wackelnd (deshalb genau betracht derzeit die interessantesten Teams, weil man das Gefühl hat, da passiert und entscheidet sich gerade etwas - aber in beiden Fällen noch völlig ergebnisoffen), aber immer noch mit der prognostizierten positiven Tendenz, während in Gladbach das übliche Heynckes-Szenario allmählich seinen Lauf nimmt.

Sicher, Bielefeld ist eine positive Überraschung, der VfB ebenso. Hätte man beiden nicht zugetraut. Bei Bielefeld sogar schon das dritte Jahr hintereinander. Für mich abslout unerklärlich. Anders beim VfB, da ist schon Substanz da. Veh irgendwann im Verlauf der Vorrunde raus und am Ende schmucklos auf einem Mittelfeldplatz - so hab ich das aber eigentlich erwartet. Dafür, dass der größenwahnsinnige (was den Fußball angeht) und sozialdarwinistische (das in so ziemlich jeder Beziehung) Widerling und Veh-Antipode Dieter Hundt zuletzt auf der Mitgliederversammlung abgestraft wurde, muss man Veh auf jeden Fall dankbar sein. Zumal ihm sportlich mit Fernando Meira der auf dem Papier stärkste Spieler seit Wochen fehlt. Mario Gomez - bei gleichen Qualitäten jedoch technisch eine Klasse stärker als Quasi-Vorgänger Kevin Kuranyi - ist sicher eines der gewichtigsten aktuellen VfB-Argumente, vor allem scheint es aber ein recht homogenes Kollektiv zu sein, das Veh inzwischen aufgebaut hat. Hab sie zu wenig spielen sehen, um genaueres sagen zu können, vermute aber, dass der mir aus dem mexikanischen Nationaltrikot schon immer mit großer Sachlichkeit und Effizienz im Erinnerung gebliebene Pavel Pardo großen Anteil hat. Antonio da Silva, der eher einen unscheinbaren und vergleichsweise wenig prätentiösen Playmaker verkörpert, eventuell ebenso. Dass Horst Ehrmantraut damals in Frankfurt dessen Talent nicht erkannte, verstehe ich heute noch nicht.

Hertha hätte ich auch noch schwächer erwartet, fällt mir ein, den BVB dagegen etwas stärker: Schlüsselspieler Kehl verletzt, die Neuzugänge passen bislang halt nicht. Wolfsburg sehe ich noch lange nicht aus dem Tal, sondern immer noch potentiell unten dabei. Mike Hanke hat gerade einen Lauf, trifft derzeit stets zum 1:0, man steht hinten gut und hat auch das nötige Glück - das kann und dürfte nur ein Strohfeuer sein.
5.11.06 01:59


The State of the Trainerstühle - 09.11.06

Die Herren Doll, Slomka, Heynckes, Koller, van Marwijk, Magath, eins drunter noch der Herr Latour - sie alle dürften die Nachricht heute früh gelesen haben. Mancher vielleicht sogar mit Erleichterung. Christoph Daum weilt derzeit im Krankenhaus. Wegen einer Virusinfektion, seiner Stimme gänzlich beraubt. Für neue Jobs kommt der Mann wohl frühestens in zwei Wochen in Frage. Das hat dann u.a. die lustige Folge, dass heute tagsüber an der Schalker Trainerbörse sogar Peter Neururer gehandelt wurde. Ein Treppenwitz, geboren aus unverfrorenstem journalistischem Borderlinertum.

Die Liga schreitet weiter. Ein Spieltag unter der Woche im November, längst hat man das Gefühl, mittlerweile seien bei den meisten Clubs die Weichen gestellt. Der Weltgeist in Gestalt des Fußballgotts schüttet derzeit an jedem neuen Spieltag nur Zement auf bereits bestehende Trends und Tendenzen. Diskontinuitäten weiterhin fast Fehlanzeige. Werder nach wie vor auf Kurs, der VfB scheint sich allmählich in die Rolle des Überraschungsteams einzufinden. Normaliserungen dagegen in Aachen, Cottbus, Bielefeld, Gladbach und Nürnberg (die aber wieder kommen werden, da bin ich sicher).

In Hamburg und Schalke laufen die (zumindest halbsaisonfüllenden, so viel scheint inzwsichen klar) Operetten bereits seit Wochen auf Hochtouren, an der Säbener Straße steht der Start des Spektakels wohl unmittelbar bevor. Der Kader des FC Bayern ist einfach katastrophal zusammengestellt, ich kann mich da nur wiederholen. Was Felix Magath dafür kann, ist schwer einzuschätzen. Uli Hoeneß zumindest eine ganze Menge. Beide treffen sich in einer gemeinsamen Anti-Modernisierungshaltung: Psycho-, Klinsmann-, Medialitätsabneigung sowie Verweigerung eines zeitgemäßen Kommunikationsregimes bei gleichzeitigem Beharren auf qualitätsorientierte, aber substantiell verstandene alte Fußball-Wahrheiten. Das scheint mir neben der Kaderfehlplanung hauptursächlich für die chronischen Probleme. Nicht umsonst hörte der Boulevard nach dem WM-Rausch auf, den FC Bayern zu lieben.

Seit Klinsmann werden visionäre oder wenigstens zielgerichtete Konzeptionen und ein transparentes Kommunikationsregime von diesem nachgefragt - mit beidem kann der FC Bayern überhaupt nicht dienen. Verklausuliert propagierte man ja schon vor Saisonbeginn ein eigenes Wursteljahr. Jetzt rückt auch Magath in den Fokus der Trainerentlassungsmania.

Schaaf, Sander, Meyer, von Heesen, Funkel - wenn ichs richtig überblicke, standen nur diese fünf (!) Trainer in dieser Saison noch nicht größer in der Kritik. Frontzeck und Hecking zählen noch nicht, Veh hatte anfangs Riesenärger, Götz nach dem peinlichen UEFA-Cup-Aus. Klopp könnte man evtl. noch nennen, wobei das relativ ist. Für seine Verhältnisse (Klopp ist medial letztlich Mainz) hat auch er längst Gegenwind.
9.11.06 01:07


The State of the Liga - 12.11.06

Und sie bewegt sich doch! Der BVB gewinnt in Bremen, Bayern nach dramatischem Spielverlauf in Leverkusen, Bielefeld extrem souverän und hoch in Frankfurt, Bochum punktet in Berlin, der HSV schlägt zu Hause nicht mal Gladbach und Kevin Kuranyi macht plötzlich wieder Tore.

Größtes Highlight des heutigen Tages aber natürlich Christoph Daums PK aus einem Krankenhaus. Nö FC, ich komme nicht. Zumindest erst mal nicht. Später aber vielleicht schon. Aber auch nur vielleicht. Und das am 11.11.

Das Daumsche Damoklesschwert bleibt also ominipräsent und der halben Liga erhalten. Ganz bestimmt kein Thema ist Daum beim wohl ersten feststehenden Absteiger: Mainz 05. Dazu nur ein langezogenes Yeeeeessss. Die versteinerte Visage von Jürgen Klopp entschädigte in der heutigen Sportschau für vieles andere. 0:4 nach unterirdischem Kick auf Schalke, man hätte auch locker 10 Stück fangen können. Auch jenseits aller Antiphatien lassen sich für einen Mainzer Ligaverbleib derzeit absolut keine Gründe finden.

In der nahegelegenen Sportbar sah ich 90 Minuten Eintracht gegen Bielefeld. Es war ernüchternd. Das Spiel war 100%-ig auf die Bielefelder Spielstrategie zugeschneidert. Spätestens nach der Halbzeit landete aber auch jeder Abpraller bei der in puncto Raumauf- und verteilung der Spieler in selbigem m.E. eine absolute Weltklassevorstellung abliefernden Arminia. Der Eintracht fehlten fast überall in offensiven Gefilden die Anspielstationen. Überraschendes kam nur von Albert Streit, doch auch der blieb meist hängen. In der letzten halben Stunde erinnerte er mich bitterlich an JayJay Okocha in der Saison des ersten Eintracht-Abstiegs. Auch der spielte damals überhaupt nicht mehr ab, sondern ging stets lieber ins riskante Dribbling, weil er wusste, wenn er den Angriff nicht entscheidend initiiert, würde ohnehin nicht daraus werden. Weder Okocha damals noch Streit heute konnte ich das übelnehmen, auch wenn sie mit dieser Spielweise jeweils mindestens jeden zweiten Ball verloren.

Das Problem ist, dass derzeit bis auf Streit die komplette Eintracht-Offensive total außer Form ist. Vor allem jedoch Alex Meier und Ioannis Amanatidis. Letzterer braucht dringend eine Auszeit, angesichts der noch viel desaströseren Form von Michael Thurk und der nur allenfalls ereignishaften Spielweise von Naohiro Takahara jedoch kaum machbar, denn selbst ein wie heute grottenschlechter Amanatidis übt noch eine gewisse Präsenz aus und verdient es, vom Gegner ernstgenommen zu werden. Meier dagegen, so viel ist mir heute gegen die taktisch superdisziplinierten Bielefelder klar geworden, ist zwar unwidersprochen überdurchschnittlich begabt, kann aber nur gegen offensiv auftretende Tems glänzen, die ihm den nötigen Raum für sein schnelles Passspiel überlassen. Die Folge: Nach dem 0:2 spielte die Eintracht den schlechtesten Fußball, den ich von ihr seit langem sah.

Überrascht hat mich der Bayern-Sieg in Leverkusen, vor allem wie er zustande kam. Dass ausgerechnet die zuletzt hart kritisierten Demichelis und Pizarro das Spiel noch drehten, kann dem Team nur gut tun, auch wenn m.E. die FCB-Metastruktur in Gestalt der Herren Magath und Hoeneß auf ganz anderes hinarbeitet. Demichelis und Pizarro stehen stellvertretend für einen Rest an fußballspielender Substanz, den es in diesem Jahr beim FC Bayern noch gibt (zusammen mit Lahm, Sagnol, dem strukturellen Ego-Shooter Schweinsteiger, Einwechselspieler Scholl und auch dem derzeit verletzten Lucio). Das Herz der Bayern verkörpern dagegen in diesem Jahr nur wenig kreative holländische Effizienzkicker wie Makaay und van Bommel. Kaum vorstellbar, dass diese einem Gravitätszentrum bestehend aus Torsten Frings und Diego sowie bei normalem Verlauf irgendwann auch wieder Miroslav Klose dauerhaft nennenswerten Widerstand entgegen setzen werden können.
12.11.06 03:21


An der Taktikfront

Auch mit zwei Tagen Abstand beschäftigt mich immer noch die taktisch-strategische Meisterleistung von Arminia Bielefeld am Samstag. Inzwischen ist mir dazu die These eingefallen, dass die Bielefelder Spielweise beim 3:0 in Frankfurt ziemlich jener nahekam, mit der es die Franzosen und Italiener bei der WM bis ins Endspiel gebracht haben. Zwar agierte die Arminia mit zwei statt nur einem Stürmer, doch wie im Defensivverhalten die Räume eng gemacht und jegliches Offensivpassspiel des Gegners komplett verunmöglicht wurde, scheint mir davon gar nicht weit entfernt. Für die defensive Grundausrichtung ist die Frage, ob nun einer oder zwei Angreifer auf dem Platz stehen, ohnehin nicht allzu wichtig.

Der Faden lässt sich sogar noch etwas weiter spinnen. Dass der zeitgenössische State of the Art des Fußballspielens defensiv geprägt ist, zeigte neben der WM (trotz der Ausnahme des DFB-Teams) auch schon die letzte Champions League-Saison mit den enervierenden 0:0-Spielen ab dem Viertelfinale. Jose Mourinho und der FC Chelsea stehen gleichfalls dafür. Im Bundesligakontext scheint mir nun in dieser Saison diese Spielweise am ehesten von Underdog-Mannschaften wie Bielefeld, Cottbus oder Frankfurt öfter mal erfolgreich praktiziert zu werden. Durch die Bank Teams, von denen man zumindest in den meisten Spielen kein dominantes Auftreten auf dem Rasen, kein spielerisches Spektakel und keinen Offensivfußball erwartet. Bis auf Werder tun sich zudem alle Spitzenclubs mit der öffentlich von ihnen nachgefragten spielerischen Dominanz und verlangten Offensivstrategie sehr häufig schwer. Selbst die eklatante Heimschwäche eines potentiellen UEFA-Cup-Kandidaten wie des BVB könnte da begründet liegen, die Art und Weise, wie der BVB zuletzt in Bremen gewann jedoch ebenso.

Erweiterte These wäre also, dass zeitgenössische Defensivspielweisen als strategische Handlungstools für auf dem Papier schwächere Teams zur Verfügung stehen, während auf dem Papier stärkere Teams aufgrund öffentlicher Erwartungshaltung (Fans, Umfeld, Medien, Selbsteinschätzung) zunehmend Probleme haben, ein Spiel quasi aus der Offensivposition heraus zu gewinnen. Dies stützen könnte die Beobachtung der sich momentan häufenden Auswärtssiege.
Folge wäre eine tendenzielle Nivellierung der Leistungsunterschiede in der Liga. Zumindest dies scheint mir im bisherigen Saisonverlauf unzweifelhaft der Fall zu sein.

Natürlich ist dieser Gedanke zunächst einmal nicht mehr als ein Schnellschuß, für den derzeit allerdings reichlich verifizierende Beobachtungen möglich sind. Muss man mal ein paar Wochen drauf achten.
14.11.06 00:18


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