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Nit resigniert, nur reichlich desillusioniert

Der Messias ist gelandet. Und zwar hart. Sehr hart. Aus Wasser würde Wein, der FC nun jedes Spiel gewinnen, dachte man in Köln. Doch am Montagabend schmeckte das Kölsch plötzlich nach übler Plörre und das FC-Punktekonto blieb erneut leer. Mit 1:3 unterlag man im ersten Spiel unter Christoph Daum dem braven MSV Duisburg. Neun Punkte Rückstand auf die Aufstiegsränge, die Bundesliga in ganz weiter Ferne, aber wenigstens das Ballyhoo geht weiter. Bonjour Tristesse, auch wenn du jetzt eine messianische bist!

Ein anderer berühmter Kölner meinte kürzlich in einem TV-Talk, das Problem des Geißbockclubs bestünde darin, dass er seit längerem nur noch von den ortsansässigen Boulevardmedien getrieben werde. Ja, auch ein Wolfgang Niedecken artikuliert bisweilen einen brauchbaren Gedanken frei von jeder gewohnten Hemdsärmligkeit. Die vermeintliche aktuelle Befindlichkeit des Messias mit dem erstaunlich kinderpopohaft glatten Gesicht (Daum hat sich liften lassen, ich nehme jede Wette an! Achten Sie unbedingt mal auf die Falten bei den Ohren, da wurde doch wohl etwas stramm gezogen) hat der BAP-Sänger bereits vor Jahrzehnten formuliert: „Verdamp lang her, dat ich ahn jet jejläuv ... un dann dä Schock, wie et anders op mich zokohm ... Nit resigniert, nur reichlich desillusioniert. E bessje jet hann ich kapiert“. Ja, so wird er sich gefühlt haben, der Christoph Daum. Und dass in der schmucken Münchner Vorstadtvilla eines angesehenen Wurstfabrikanten am späten Montagabend noch ein edles Fläschchen geköpft wurde, davon kann man wohl ausgehen.

Groß den Zampano wollte und konnte Daum nach dem Abpfiff dann auch gar nicht geben. „Meine Umstellungen haben nicht gegriffen, Duisburg war einfach deutlich besser“, beschied er anständig. Dabei hatte der FC sogar ganz passabel begonnen, lag jedoch doch durch einen Sonntagsschuß und einen haarsträubenden Abwehrfehler plötzlich mit 0:2 in Rückstand. Dass der Duisburger Torschütze jeweils auf den Namen Daun - mit „n“ am Ende sowie dem Vornamen Markus - hörte, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

„Zur Winterpause sechs oder weniger Punkte Rückstand und wir steigen auf“, verkündete Daum bei Amtsantritt. Bei noch zwei anstehenden Spielen wird das knapp. Dennoch gilt es als sicher, dass Geldverbrennungsexperte Michael Meier, der einst Borussia Dortmund fast in den Ruin trieb und jetzt beim boulevardgetriebenen FC Geißbock-Großkotz unterkam, in der Winterpause großflächig Shoppen gehen wird. Christoph Daum dürfte es nur recht sein. Vielleicht hat er erst jetzt realisiert, auf welches Himmelfahrtskommando er sich eingelassen hat. Seine Mannschaft besteht aus vielen untalentierten Handwerkern und einigen handwerklich noch gänzlich unfertigen Talenten. Neben Meiers Shoppingtour kann Daum eigentlich nur auf den vorzüglichen U 21-Nationalspieler Patrick Helmes hoffen, der im Januar wieder fit sein soll. Sein Trainerjob beim FC sei ohnehin erst einmal nur mittelfristig „angedacht“, sagte Daum abschließend. Komische Ausdrucksweise, wenn man gerade einen Vier-Jahres-Vertrag unterschrieben hat.
5.12.06 11:11


Was ist grün und stinkt nach ... Kaninchen?

Bereits eine halbe Stunde vor Spielbeginn hatte sich der stämmige Typ vor der Sportbar aufgebaut: „Ihr kommt hier nicht mehr rein“. Der Laden war längst brechend voll. Werder in Barcelona – keine Frage: der Abschluss der Champions League-Vorrunde war das meist beachtete Fußballspiel seit der WM.

Werder, das ist die aktuell stärkste Bundesliga-Mannschaft. Werder, das ist zudem das einzige Team, das in der Liga mit Offensivfußball begeistern kann. Wenn es ein Bundesligateam gibt, dessen Spielweise etwas von der Frische der Klinsmannschen DFB-Kicker bei der WM transportiert, dann sind es die Bremer. Dieses Werder beim amtierenden CL-Titelverteidiger - man witterte, da könnte etwas gehen. Doch der Traum währte nur wenige Minuten. Vor knapp 100.000 Zuschauern merkte man schnell, dass sich Werder allzu bereitwillig in die Rolle des Kaninchens vor der Schlange fügte.

„Wir haben die Angst nicht abgelegt“, räumte Miroslav Klose ein. Ein Geniestreich Ronaldinhos erledigte den Rest: Einen Freistoß schob er aus 20 Metern flach (!) unter der hochspringenden Bremer Mauer hindurch ins Tor. Eidur Gudjohnson traf kurz darauf zum 2:0, eine gute Viertelstunde war erst gespielt. „Da war unser Job bereits erledigt“, erklärte der Isländer.

Eine Mischung aus Hasenfüßigkeit und taktisch-technischer Unterlegenheit nahm den Bremern alle Chancen. Frappant, wenn man sah, dass ein Werder-Akteur zur Ballannahme mindestens 30 Prozent mehr Raum benötigt als sein Barca-Pendent. Frappant, wenn man sah, wie sich die Bremer mühten, bei Ballverlust schleunigst alle zwischen Ball und eigenes Tor zu gelangen. Barcas Mittelfeld umzingelte dagegen im umgekehrten Fall den ballführenden Bremer von allen Seiten. Frappant, wie Barca dem Gegner die Spielweise aufzwang. Die schwachen Außenverteidiger Clemens Fritz und Pierre Wome wurden defensiv gebunden, da im Bremer Mittelfeld die Außenpositionen prinzipiell verwaist sind, blieb nur der Weg durch die Mitte. Doch der war trotz Diegos Ballsicherheit vernagelt. Die strategische Bedeutung eines so limitierten Spielers wie David Odonkor kam einem wieder in den Sinn. Genau dieses fußballerische Modul fehlte Werder.

Hinzu kam das in unzähligen nationalen Fernduellen mit dem FC Bayern kultivierte Phänomen der Zaghaftigkeit. Torsten Frings und Miroslav Klose, die potentiellen Anführer, boten wie so oft gegen große Teams nur Magerkost und Mitläufertum. Dazu passend: Die erste Gelbe Karte handelte sich Werder nach 70 Minuten ein – bei dem Spielverlauf ein absolutes Unding.

Ein Umbruch ist währenddessen in Europas Fußball-Beletage nach der WM nicht in Sicht. Vier englische sowie je drei spanische und italienische Teams stehen im Achtelfinale. Der Bundesligafußball (siehe auch das Desaster im UEFA-Cup) ist dagegen international nicht mehr konkurrenzfähig. Daran ändert auch das Weiterkommen des FC Bayern in einer schwachen Gruppe nichts. Überraschungen blieben derweil aus, dominante Clubs wie etwa im Vorjahr Barcelona und der FC Chelsea kristallisierten sich nicht heraus. Womöglich schlägt in dieser Saison endlich die Stunde von Olympique Lyon, zwar nicht mit den stärksten Einzelspielern ausgestattet, aber zweifellos das homogenste Kollektiv Europas.
7.12.06 11:27


Ligaeskes, 11.12.06

Drei Tage später wurde das Kaninchen wieder zur Schlange. 6:2 gewann Werder in Frankfurt - teilweise ein begeisterndes Spiel beider Mannschaften. Die Eintracht wurde unter Wert geschlagen, war keineswegs vier Tore schlechter. Haarsträubende Abwehrdefinzite (Marko Rehmer beim 1:0 und 2:1 sowie die tölpelhafte Abseitsfalle beim 3:1) brachten das Team jedoch früh ins Hintertreffen.

Werder zeigte dagegen all das, was ich in Barcelona vermisste: Das Stilmittel des taktischen Fouls beispielsweise, stets wohldosiert dargebracht, oder eine äußerst effektive Chancenauswertung, zumindest solange das Spiel offen war. Alles Psychologie würde ich sagen. Immer wieder unglaublich zu sehen, wie der medial und diskursiv konstruierte Wertigkeits-Status einer Fußballmannschaft deren Auftreten steuern kann. In Barcelona wähnte sich Bremen als ausgelieferter Underdog und nahm unterwürfig die Rolle des Unterlegenen an. In Frankfurt, bei einem ausgemachten Bundesliga-Durchschnittsgegner, trat man dagegen mit der Mentalität des vor Selbstvertrauen nur so strotzenden Platzhirschen auf.
11.12.06 00:42





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