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Lange Leine am Ende: Das HSV-Desaster geht weiter

Wo nur die „Vorstand raus!“-Rufe bleiben? Wenn eines der traditionell letzten Ventile des gerechten Fußballfanzorns je eine Berechtigung hatte, dann aktuell beim Hamburger SV. Am Dienstagabend setzte es für den hanseatischen Nobelclub in der Champions League mit dem 1:4 in Porto die nächste Klatsche.

Das Tal des HSV-Leidens scheint einfach keine Sohle zu kennen, stets geht es noch tiefer hinab. Die nackten Zahlen sind erschütternd: Abstiegsplatz in der Liga, ausgeschieden im DFB-Pokal, hoffnungslos abgeschlagen in der europäischen Schampusklasse – und das alles bei nunmehr 15 Spielen ohne Sieg in Folge.

Andernorts hätte man längst den Trainer ausgetauscht – nicht so in Hamburg. Thomas Doll zehrt vom Ruf, den er sich zuvor in zwei erfolgreichen Jahren aufgebaut hat. Noch! Denn allzu lange dürfte sein Kredit sicher nicht mehr reichen. Vor zwei Jahren vom Amateurcoach zu Cheftrainer befördert, machte Doll Karriere, indem er im Klinsmannschen Fahrwasser öffentlich als Modernisierer und Psychologe auftrat. Die damals komplett verschreckte Mannschaft dankte ihm die lange Leine mit Erfolgen. Die Stärken betonen, die Schwächen ausklammern: mit dieser Grundidee trat Doll glaubwürdig seinem Team und der Öffentlichkeit gegenüber. Spätestens seit dem Sommer hat jedoch diese zuvor einem Selbstläufer gleichkommende Regulierungsstrategie ausgedient. Und Doll verfügt nicht über alternative Steuerungskonzepte. Ein Krisenmanagement, das Probleme benennt und Ansatzpunkte zur aktiven Problemlösung entdeckt, ist seine Sache nicht. „Ich habe das Funkeln in den Augen der Jungs gesehen. Wir haben eine hammerharte Woche vor uns, aber ich werde vorneweg marschieren“, erklärte er nach der Pleite in Porto. Markige Worte, der aktuellen Situation aber alles andere als angemessen.

Die Knackpunkte des Niedergangs sind jedoch im Sommer zu suchen. Völlig ohne Not riß die Vereinsführung um Manager Dietmar Beiersdofer und Präsident Bernd Hoffmann den funktionierenden Kader auseinander. Korsettstangen wie Daniel van Buyten oder Sergej Barbarez wurden teils für teures Geld abgegeben, die Versuche, sie personell zu ersetzen, schlugen durch die Bank fehl. In einer völlig strukturlosen Mannschaft können nun auch Weltklassekicker wie das belgische Abwehrjahrhunderttalent Vincent Kompany oder der Argentinier Juan Pablo Sorin nicht viel richten.

Die HSV-Führung, so viel ist inzwischen klar, hat sich im Sommer beim durchaus perspektivorientierten Umbau übernommen. Sowohl ökonomisch als auch sportlich war zwar jeder einzelne Austausch eines Spielers vernünftig und begründbar, doch den Wald verlor man vor lauter Bäumen komplett aus dem Blick. Man war finanziell handlungsfähig und wähnte sich unter den Global Playern, diskutierte gebauchpinselt über Patrick Kluivert oder den Tschechen Milan Baros, um dann doch nur am gehobenen Bundesliga-Wühltisch (Paolo Guerrero, Boubacar Sanogo, Danijel Ljuboja) zugreifen zu können. Dabei übersah man, dass ein Fußballteam ohne gewachsene Grundstruktur nur selten funktioniert. Abstrakte Qualitätsevaluation am Reißbrett regierte blind. Bekanntlich einer der klassischsten aller Managementfehler.
18.10.06 11:47
 


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