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Momentum eines Absteigers

Kein Zweifel, das haben wir gerade. Nichts, aber auch gar nichts läuft. In Form: genau genommen niemand. Vasoski ist ganz allmählich auf dem aufsteigenden Ast, Ochs hat eine gewisse Solidität erlangt, Thurk war schon schlimmer, Meier hat wenigstens in jedem Spiel seine Aktionen. Viel ist das nicht. Zudem treffen wir ständig auf Mannschaften, die an ihrem oberen Limit spielen: Schalke, Mainz und Stuttgart sowieso, sogar Wolfsburg befand sich vor drei Wochen zumindest spielerisch im Aufwärtstrend. Nur Leverkusen als einziger Rückrundengegner nicht.

Die zwei schlimmsten Dinge aktuell: keinerlei Sicherheit in der Abwehr und vorne ist die Chancenverwertung so unterirdisch, wie ich das selten bei einem Team gesehen habe. Auch wenn es lächerlich klingt, der VfB hatte heute beim 4:0 kaum mehr Großchancen als die Eintracht.

Klar ist, ein Patentrezept gibt es nicht, aber ich halte Kyrgiakos trotz individueller Klasse für möglicherweise ein ganz zentrales Problem, das strukturelle Auswirkungen hat. Bei allen spektakulären Abwehraktionen, die er bisweilen hinlegt, ist die Fehlerquote einfach viel zu hoch. Vor allem sind es in der Regel richtig kapitale Böcke. Im Offensivspiel sowieso und in jeder Szene zu erkennen, im Defensivspiel in regelmäßigen Individual-Aussetzern und der kontinuierlich schlechten Abstimmung mit den Mitspielern zum Ausdruck kommend. Auffällig dass Vasoski, der zweifellos eine Seuchenvorrunde spielte, in den Vorjahren in der Hinscht eigentlich immer funktionierte. Abstimmungsprobleme habe ich kaum einmal an ihm festmachen können. Der Mazedonier ist, das hat er m. E. bewiesen, in der Lage, in einem gut abgestimmten Abwehrverbund intelligent, sachlich und vor allem verläßlich seine Aufgabe zu erfüllen. Bei Kyrgiakos bezweifle ich das mittlerweile etwas. Schade nur, dass er inzwischen fast wie einer seiner historischen Vorgänger in puncto aufopferungsvollem Dilettantentum in der Eintracht-Abwehr, Uwe Bindewald, kultisch verehrt wird. Ich finde dagegen immer öfter, dass sein Spiel primär effekthascherisch ist und er häufig die Scheiße, die er später spektakulär wegräumt, erst mit eigenen Fehlern einleitet. Obwohl Kyrgiakos fraglos eine fußballerisch ungleich höhere Qualität als Bindewald hat, gilt leider: Er bringt genauso wenig Fußballintelligenz wie dieser mit. Ich kann es nicht richtig begründen, aber ich fürchte inzwischen manchmal, dass seine Unberechenbarkeit wie ein eingeschleuster Virus in der Eintracht-Abwehr wirkt.

Obendrein spielen leider auch Ochs und Spycher keine allzu gute Saison. Beide zwar im Schnitt noch gerade so im erträglichen Rahmen, aber gut ist das, gemessen an ihren Möglichkeiten, beileibe nicht. Bleibt der junge Russ, der selten enttäuscht hat, und den ich gerne einmal über ein paar Spiele hinweg in der ersten 11 sehen würde, zumal er von den potentiellen Innenverteidigern (den körperlich noch nicht fitten Chris einmal beiseite gelassen) mit Abstand die höchste Spielintelligenz mitbringt.

Im Mittelfeld setzen sich die Probleme nur fort. Jones schon wieder verletzt, mit ihm dürfte allenfalls gegen Saisonende noch einmal zu rechnen sein. Chris scheint physisch noch lange nicht wieder so weit. Langsam und vor allem unbeweglich wirkt er. Manchmal kommt es mir vor, als ob man ihm die Bandscheibenprobleme in seinen Bewegungsabläufen förmlich ansieht. Fink enttäuschte bislang auf ganzer Linie und scheint weg vom Fenster. Bleibt Huggel, von dem man halt weiß, was er kann (und was nicht), und Preuß, in den ich mittlerweile in den nächsten Wochen die größten Hoffnungen setze. Für die Baustelle defensives Mittelfeld gilt: Der mit den Genesungen von Chris und Jones erhoffte Schub (in puncto Dynamik, Ballsicherheit, Spielaufbau und Zweikampfstärke) blieb aus verschiedenen Gründen aus.

Das Offensivspiel der Eintracht hängt nunmehr in der 3. Saison hintereinander in erster Linie an Alex Meier, einem zwar äußerst begabten, aber wenig konstanten und im Spiel niemals kontinuierlich präsenten Akteur. Wenn Manager Bruchhagen für diese Position zur nächsten Saison keine Alternative holt (Weissenberger ist qualitativ einfach keine), werde ich endgültig an seiner Kompetenz zu zweifeln beginnen. Dennoch gilt: Die besten Phasen der Eintracht (die Wochen vor dem Aufstieg, die 2. Hälfte der Vorrunde letzter Saison) lebten jeweils von einem glänzend aufgelegten Meier. Dass er Platz braucht, um sein kongeniales Konter-Passspiel einzusetzen, wissen die Gegner aber längst und haben sich darauf eingestellt. Derzeit sehe ich ihn nach müder Vorrunde leicht auf dem aufsteigenden Ast, was aber momentan nicht viel heißt. Streit hat an seiner Seite derzeit zwar nicht die Form der Vorrunde, ist aber zurecht gesetzt. In Sachen Tempodribblings und 1:1-Offensiv-Situationen gibt es keinen besseren in der Liga, allerdings ist sein Spiel und mit ihm das der Eintracht derzeit ziemlich berechenbar, da Streit aus purer Verzweiflung (manchmal erinnert das ansatzweise an den Okocha der ersten Abstiegssaison, als der irgendwann überhaupt nicht mehr abspielte, weil er wusste, die anderen kriegen sowieso nichts gebacken) bei jeden Ballkontakt ins Dribbling gehen will. Bleibt als weitere Alternative schließlich Köhler, der aus der Öffentlichkeit unbekannten Gründen derzeit keine Rolle spielt, aber im linken Mittelfeld nochmal zur wichtigen Alternative werden könnte.

Von den vier Stürmern dürfte dem jungen Heller im bevorstehenden Abstiegskampf, trotz sehr ansprechender Leistungen, wohl nur eine Rolle als Ergänzung und evtl. Joker im Odonkor-WM-Stil zukommen. Bleiben die drei Angreifer Amanatidis, Takahara und Thurk. Amanatidis hat sich inzwischen zu einer Art spielendem Center-Stürmer entwickelt, Thurk ist eher der Typ des zweiten Stürmers, der sich um einen Center-Partner herum bewegt. Takahara kann am besten den einsamen Center in einem 4-5-1 aus einer defensiven Konterposition heraus spielen. Am besten aufgehoben sind jedoch alle drei (am wenigsten deutlich vielleicht Takahara) in einem 4-4-2, wo sie Platz haben und die Positionstreue nicht allzu hoch sein muss. Im 4-3-3/4-5-1 (das ist relativ), welches die Eintracht derzeit spielt, taugt allerdings keiner der drei auf einer Außenposition. Die Spielweise Streits (und die Art, wie er eingesetzt wird) und die Position Meiers geben jedoch derzeit dieses System vor.

Ich bin der Meinung, dass sich die Liga inzwischen auf Streit und seine Dribblings eingestellt hat. Man sollte folglich seine Rolle/Bedeutung für das Gelingen des Eintracht-Spiels reduzieren, auch um ihn perspektivisch wieder besser zur Geltung bringen zu können. Als einziges zusätzliches Überraschungsmoment im Eintracht-Offensivspiel fungieren derzeit die wenigen, aber in der Größenordnung 2-5 pro Spiel vorhandenen lichten Momente Meiers. Das Potential der Stürmer kommt jedoch m.E. beim derzeitigen System alles andere als optimal zu Geltung bzw. wenn, dann jeweils nur maximal einer von ihnen.

Ich plädiere daher für die Umstellung auf ein 4-4-2 und zwar in der Variante, wie Klinsmann die DFB-11 bei der WM aufstellte. Also keine klassiche Raute, sondern eine leicht zur Offensive (man erinnere sich an den für seine Verhältnisse eher defensiven Ballack als verkappten zweiten 6er neben Frings) hin abgewandelte Doppel-6. Amanatidis sollte im Angriff gesetzt sein, da er für mich der mit Abstand präsenteste der drei Angreifer ist, bei passabler Form sicher auch der qualitativ stärkste Stürmer, den wir haben. Und: Auch wenn es nicht läuft, arbeitet er immer für die Mannschaft. Zudem scheint er mir für die teaminterne Hierarchie wichtig. Ob Thurk oder Taka an seiner Seite, sollte die Tagesform entscheiden. Ich tendiere zu Thurk, weil er mir im Vergleich zu Taka, wenn denn endlich mal ein System gespielt würde, in dem Thurk sich zurechtfinden könnte, eine höhere Präsenz (kämpferisch, emotional) im Spiel verspricht. Da die wacklige Defensive vor einer Auflösung der Doppel-6 dringend abraten lässt, würde ich diese beibehalten und Meier einmal über einige Spiele zurückziehen und dort einsetzen (er hat das ja schon bisweilen gespielt). Sein Defensivverhalten sollte für diese Position ausreichen, sein potentiell formidables Passspiel in Kontersituationen kann er beim schnellen Umschalten von Defensive auf Offensive auch dort einbringen. Neben Meier sehe ich Chris (wenn wirklich fit) bzw. bis dahin Huggel. So schlecht ist er nicht, es gibt da keine Alternative zu ihm. Auf den Außenpositionen schließlich Streit (links, mit dem strikt defensiv denkenden Offensivzauderer Spycher als Absicherung) und Preuß (rechts, als Allrounder, der das locker spielen kann und zudem auch Meier teils absichern könnte).

Formation in der Übersicht

----------Pröll/Oka---------

Ochs-Russ-Vasi-Spycher

---Chris (Huggel)-Meier--
Preuß------------------Streit

---------Ama-Thurk---------


Der Effekt, den ich mir davon verspreche, bestünde darin, die qualitativ im Bl-Schnitt durchaus gutklassigen Stürmer besser ins Spiel zu bringen, ohne dadurch Lücken in der Defensivformation entstehen zu lassen. Zudem muss ohnehin irgendetwas passieren. Auch wenn Funkel noch lange nicht akut gefährdet sein dürfte, wird er sich jetzt nach Möglichkeiten umsehen, etwas zu ändern. Die objektive Situation mit dem völlig gegen uns stehenden Momentum schreit einfach danach. Die Erkenntnis, dass es so nicht weitergehen kann, muss sich einfach in irgendwetwas symbolisch manifestieren.
17.2.07 02:13


Ligaeskes, 11.12.06

Drei Tage später wurde das Kaninchen wieder zur Schlange. 6:2 gewann Werder in Frankfurt - teilweise ein begeisterndes Spiel beider Mannschaften. Die Eintracht wurde unter Wert geschlagen, war keineswegs vier Tore schlechter. Haarsträubende Abwehrdefinzite (Marko Rehmer beim 1:0 und 2:1 sowie die tölpelhafte Abseitsfalle beim 3:1) brachten das Team jedoch früh ins Hintertreffen.

Werder zeigte dagegen all das, was ich in Barcelona vermisste: Das Stilmittel des taktischen Fouls beispielsweise, stets wohldosiert dargebracht, oder eine äußerst effektive Chancenauswertung, zumindest solange das Spiel offen war. Alles Psychologie würde ich sagen. Immer wieder unglaublich zu sehen, wie der medial und diskursiv konstruierte Wertigkeits-Status einer Fußballmannschaft deren Auftreten steuern kann. In Barcelona wähnte sich Bremen als ausgelieferter Underdog und nahm unterwürfig die Rolle des Unterlegenen an. In Frankfurt, bei einem ausgemachten Bundesliga-Durchschnittsgegner, trat man dagegen mit der Mentalität des vor Selbstvertrauen nur so strotzenden Platzhirschen auf.
11.12.06 00:42


Ligaeskes - 26.11.06

Mein Interesse am Fußball ist derzeit ziemlich im Keller. Von Woche zu Woche rutscht es eher noch tiefer hinab. Mein Verein dümpelt im Mittelfeld und auch sonst scheint mir kaum Bemerkenswertes zu passiern.

Na gut, Christoph Daum hat in Köln angeheuert, aber das Thema wird schon vom Boulevard und der Profi-Journaille derart umfassend aufbereitet - was soll man dazu noch sagen. Die Liga dümpelt derweil ebenfalls nur dahin. Beispielsweise zum HSV ist eigentlich schon alles gesagt. Marcel Reifs in seiner Tagesspiegel-Kolumne durch die Blume vorgebrachter Vorschlag, Doll müsse wohl selbst zurücktreten, ist da wohl der wirklich der Weisheit letzter Schluss. Das Treffendste zum HSV-Thema war für mich, als vor einigen Wochen in einer Dittsche-Folge ein HSV-Kuttenträger den Stehimbiß betrat und selbst Dittsche nach längerem Schwiegen meinte: "Ja, dazu fällt einem wirklich nichts mehr ein."

Fünf Teams scheinen sich in der Liga gerade abzusetzen: die drei Großen, die man vorne erwarten musste, dazu Hertha und der VfB. Die beiden letztgeannten haben dann inzwischen auch den Standard erreicht, gegen den Trend ihre schwachen Heimspiele zu gewinnen - wie an diesem Wochenende geschehen. Das ist die einzige potentielle Weichenstellung, die ich derzeit erkenne. Mainz scheint sich bereits auf den Abstieg einzustellen, das vielleicht noch dazu.

Ist Schalke als Tabellenführer erklärungsbedürftig? Weiß nicht recht, glaube aber nicht. Ich habe den Eindruck, die qualitativ ja über jeden Zweifel erhabene Mannschaft, spielt einfach ihr Ding runter, ohne sich um die Störfeuer zu kümmern und auch weitgehend in Ruhe gelassen vom verantwortlichen Gespann Slomka/Müller, dem ich immer noch wenig zutraue.

Die Eintracht langweilt mich derweil zusehends. Vielleicht ist das ja die Normalisierung im Bundesligamittelfeld, auf die das Gespann Bruchhagen/Funkel vernünftigerweise (das stelle ich ja überhaupt nicht in Abrede) hinarbeitet. Wenn nur endlich unsere beiden überdurchschnittlich begabten 6er wieder fit würden, dann ließe sich zumindest mal wieder ein besserer Fußball kultivieren. Spaß macht derzeit einzig Albert Streit, der seit einigen Spielen wirklich großartig drauf ist. Wenn Löw den nicht im Frühjahr mal einlädt (vorausgesetzt Streit hält seine Form) verstehe ich die Welt nicht mehr. Paul Freier wurde zuletzt auf Zypern nachnominiert, besser als der ist Streit allemal.

Sonst haben wir nach wie vor nur einen konkurrenzfähigen Stürmer und der trifft leider derzeit nicht richtig. Takahara und der verletzte Thurk reißen letztlich nichts, vielleicht kann der in der Winterpause aus Siegen kommende U 21-Nationalspieler Heller sogar helfen. Vasoski würde ich auch nach abgelaufener Sperre erst mal draußen lassen und Michael Fink steht kurz davor, von mir zum Fehleinkauf erklärt zu werden. Bei Huggel weiß ich um dessen Grenzen, aber der technisch und in puncto Dynamik viel begabtere Fink entwickelt auf der Schlüsselposition des zeitgenössischen Fußballs absolut null Präsenz und das inzwischen seit Wochen. Die Verletzung aus der Vorbereitung taugt inzwischen wirklich nicht mehr als Ausrede.
27.11.06 02:19


The State of the Liga - 12.11.06

Und sie bewegt sich doch! Der BVB gewinnt in Bremen, Bayern nach dramatischem Spielverlauf in Leverkusen, Bielefeld extrem souverän und hoch in Frankfurt, Bochum punktet in Berlin, der HSV schlägt zu Hause nicht mal Gladbach und Kevin Kuranyi macht plötzlich wieder Tore.

Größtes Highlight des heutigen Tages aber natürlich Christoph Daums PK aus einem Krankenhaus. Nö FC, ich komme nicht. Zumindest erst mal nicht. Später aber vielleicht schon. Aber auch nur vielleicht. Und das am 11.11.

Das Daumsche Damoklesschwert bleibt also ominipräsent und der halben Liga erhalten. Ganz bestimmt kein Thema ist Daum beim wohl ersten feststehenden Absteiger: Mainz 05. Dazu nur ein langezogenes Yeeeeessss. Die versteinerte Visage von Jürgen Klopp entschädigte in der heutigen Sportschau für vieles andere. 0:4 nach unterirdischem Kick auf Schalke, man hätte auch locker 10 Stück fangen können. Auch jenseits aller Antiphatien lassen sich für einen Mainzer Ligaverbleib derzeit absolut keine Gründe finden.

In der nahegelegenen Sportbar sah ich 90 Minuten Eintracht gegen Bielefeld. Es war ernüchternd. Das Spiel war 100%-ig auf die Bielefelder Spielstrategie zugeschneidert. Spätestens nach der Halbzeit landete aber auch jeder Abpraller bei der in puncto Raumauf- und verteilung der Spieler in selbigem m.E. eine absolute Weltklassevorstellung abliefernden Arminia. Der Eintracht fehlten fast überall in offensiven Gefilden die Anspielstationen. Überraschendes kam nur von Albert Streit, doch auch der blieb meist hängen. In der letzten halben Stunde erinnerte er mich bitterlich an JayJay Okocha in der Saison des ersten Eintracht-Abstiegs. Auch der spielte damals überhaupt nicht mehr ab, sondern ging stets lieber ins riskante Dribbling, weil er wusste, wenn er den Angriff nicht entscheidend initiiert, würde ohnehin nicht daraus werden. Weder Okocha damals noch Streit heute konnte ich das übelnehmen, auch wenn sie mit dieser Spielweise jeweils mindestens jeden zweiten Ball verloren.

Das Problem ist, dass derzeit bis auf Streit die komplette Eintracht-Offensive total außer Form ist. Vor allem jedoch Alex Meier und Ioannis Amanatidis. Letzterer braucht dringend eine Auszeit, angesichts der noch viel desaströseren Form von Michael Thurk und der nur allenfalls ereignishaften Spielweise von Naohiro Takahara jedoch kaum machbar, denn selbst ein wie heute grottenschlechter Amanatidis übt noch eine gewisse Präsenz aus und verdient es, vom Gegner ernstgenommen zu werden. Meier dagegen, so viel ist mir heute gegen die taktisch superdisziplinierten Bielefelder klar geworden, ist zwar unwidersprochen überdurchschnittlich begabt, kann aber nur gegen offensiv auftretende Tems glänzen, die ihm den nötigen Raum für sein schnelles Passspiel überlassen. Die Folge: Nach dem 0:2 spielte die Eintracht den schlechtesten Fußball, den ich von ihr seit langem sah.

Überrascht hat mich der Bayern-Sieg in Leverkusen, vor allem wie er zustande kam. Dass ausgerechnet die zuletzt hart kritisierten Demichelis und Pizarro das Spiel noch drehten, kann dem Team nur gut tun, auch wenn m.E. die FCB-Metastruktur in Gestalt der Herren Magath und Hoeneß auf ganz anderes hinarbeitet. Demichelis und Pizarro stehen stellvertretend für einen Rest an fußballspielender Substanz, den es in diesem Jahr beim FC Bayern noch gibt (zusammen mit Lahm, Sagnol, dem strukturellen Ego-Shooter Schweinsteiger, Einwechselspieler Scholl und auch dem derzeit verletzten Lucio). Das Herz der Bayern verkörpern dagegen in diesem Jahr nur wenig kreative holländische Effizienzkicker wie Makaay und van Bommel. Kaum vorstellbar, dass diese einem Gravitätszentrum bestehend aus Torsten Frings und Diego sowie bei normalem Verlauf irgendwann auch wieder Miroslav Klose dauerhaft nennenswerten Widerstand entgegen setzen werden können.
12.11.06 03:21


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